Österreich : Der Herr Karl

Der Herr Karl

EUR 18,90


Der Zweite Weltkrieg? Mit dem hat Karl nichts zu tun gehabt. Ebenso wenig wie mit den Nazis. Nein. Karl war stets neutral. Politik hat ihn nie interessiert. Außerdem: Wird die Geschichte mit den Nazis nicht überbewertet? Der Herr Karl ist eine bissige, teilweise unglaublich bösartig-satirische Auseinandersetzung mit der Mentalität der Österreicher (und Deutschen) der Nachkriegszeit. Helmut Qualtinger spielt den Herrn Karl, einen Opportunisten, einen gesellschaftlichen Parasiten, der seine Fahne in den politischen Wind hängt, der gerade weht. Herr Karl arbeitet in einem Warenlager. Und mehr bekommt der Zuschauer nicht zu sehen. Karl packt Pakete, er sortiert ein paar Dosen -- und er erzählt. Er erzählt von damals, der Zeit, als die Deutschen Österreich überfallen haben. Man musste sich eben mit den Besatzern arrangieren, erklärt er. Widerstand? Nein, das hätte nur die Unschuldigen getroffen. Und so schlimm, wie man immer sagt, war diese Zeit auch gar nicht. Das gleiche gilt für die Judenverfolgung. Man hat davon doch gar nichts mitbekommen. Na gut, die Juden wurden schikaniert und eines Tages waren sie verschwunden, aber der Normalbürger wusste doch gar nicht, was mit ihnen passierte. Die Verbrechen haben die anderen begangen. Wer diese anderen waren? Die anderen eben. Helmut Qualtinger hat sich mit einer Satire wie dieser im Entstehungsjahr 1961 weit aus dem Fenster gehangen. In einer Zeit, in der die Vergangenheit ein Tabu gewesen ist, hat er nicht nur die fehlende Vergangenheitsbewältigung in seinem Einpersonenstück angeklagt, er hat dies darüber hinaus in einer satirischen Form getan, die nicht zwingend zum Lachen animiert. Das Lachen bleibt einem als Zuschauer oft im Halse stecken, denn Karl ist alles andere als eine Witzfigur. Karl ist eine durch und durch reale Person, ein auf den ersten Blick netter, charmanter Durchschnittstyp, der erst auf den zweiten Blick seine opportunistisch geprägte Widerlichkeit offenbart. Was Karl als Widerling entlarvt, ist nicht die Tatsache, dass er am liebsten verdrängen möchte, was in Österreich zwischen 1938 und 1945 geschehen ist. Wäre dieser Wunsch aus der Scham geboren, wäre er zwar nicht zu rechtfertigen, aber zumindest könnte man ihn verstehen. Widerlich ist die Tatsache, dass Karl die Geschehnisse nicht nur verdrängt, sondern sie sogar zu rechtfertigen versucht. Das Kunststück, das Qualtinger jedoch gelingt und diese One-Man-Performance so interessant macht, besteht darin, dass er nicht mit dem Zeigefinger auf seinen Herrn Karl zeigt. Dies wäre zu einfach, denn nach dem Anschauen dieses beeindruckenden Soloprogrammes fragt man sich unwillkürlich, ob ein kleines Stück dieses Widerlings Karl nicht in allen von uns existiert. --Christian Lukas

Karl, der Herr ... - Zu seiner Zeit war der Herr Karl schon wer, eine Persoenlichkeit, verraet er uns nach wenigen Filmminuten.Ein Schwindler ist er, ein Grossmaul, ein Mitlaeufer und Denunziant ist er in Wahrheit.Helmut Qualtinger kongenial als der typische Nachkriegsoesterreicher, der von all dem Boesen, das die Nazis gebracht haben, natuerlich nichts geahnt haben konnte. Woher denn!?Ueberhaupt weiss er nur, was ihm Vorteile verschafft, spricht von einer sehr schwierigen, aber auch der besten Zeit, die er jemals erleben durfte.Wie traurig ist es doch, dass hier einer der unsrigen die Wahrheit so verbluemt aussprechen muss, um sie einer groesseren Menschenmenge zugaenglich zu machen, wie wenig hat die Menschheit doch trotz aller Bemuehungen aus dieser schrecklichen Zeitspanne gelernt.Da hilft es auch nichts, wenn einsame Waechter wie Qualtinger uns Inhalte wenigstens parodistisch vermitteln, wer ist denn geneigt, sich mit so einem brisanten Inhalt alltagstauglich auseinander zu setzen?Die wenigsten, vermute ich.Fuenf Sterne, die leider am eiskalten Firmament der ungeliebten Wahrheit kaum beachtet vergluehen muessen.

Film gut, Ausstattung katastrophal - Über den Film selber kann man nichts Negatives sagen. Nur unter digitally remastered verstehe ich etwas anderes. Bei vielen, noch weitaus älteren Filmen (etwa Der zerbrochene Krug oder Nosferatu) wurde das Bild weit besser restauriert. Gut, vielleicht war im Jahr 2002 die Technik noch nicht so ausgereift. Zur Ausstattung: Diese DVD würde noch als Videokassette durchgehen. Man legt sie ein und spielt sie ab. Das war s. Kein Hauptmenü (von animierten Menüs, wie auf der Packung beschrieben, kann keine Rede sein!), keine Hintergrundinfos, keine Trailer, keine Kapitelauswahl (außer während des Films). Darum nur drei Sterne, dies soll aber die die Qualität des Filmes selbst keinesfalls schmälern.

QUASI GENIAL - Auch wenn man der Aufnahmequalität den Zahn der Zeit ansieht: Quasi genial!Qualtinger wurde mit dieser legendären Darstellung eines bösartigen Wiener Opportunisten, der sich hinter einer gemütlichen Fassade versteckt, berühmt. Die Charakteranalyse eines goldenen Wiener Herzens mit Mitteln der Satire und Karikatur, die Qualtinger im authentischen Dialekt vorträgt, war seinerzeit ein Skandal, rührte sie doch an einem Tabu: Österreichs verdrängter Umgang mit seiner Vergangenheit vor und nach dem zweiten Weltkrieg! Ein Klassiker des politischen Kabaretts!

Das Bildnis des gnadenlosen Opportunisten - Eine Fahne im Wind, das beschreibt den von Karl Merz und Helmut Qualtinger entworfenen Herrn Karl am besten. Nur nirgends anecken, immer auf den eigenen Vorteil bedacht - aber keine Einsatzbereitschaft. Was er gratis bekommen kann das nimmt er, dafür raunzt er dann aber darüber, dass er nichts erreicht. So könnte man den Herrn Karl umschreiben. Der Herr Karl ist in Österreich Kult und letztlich auch Pflicht.Die Aufzeichnung des Einpersonenstückes aus dem Jahr 1961 spielt ausschließlich im Keller eines Feinkostladens. Der Herr Karl ist der Helfer und soll im Keller ein wenig Ordnung schaffen und etwas nach oben bringen. In nicht ganz einer Stunde erzählt er im Wiener Dialekt seine Geschichte - eine Geschichte die auf satirische Weise die österreichische Zwischenkriegs-, Kriegs- und Nachkriegsgeschichte umfasst. Das Bild das er dabei von sich selbst zeichnet ist erschütternd - vielleicht etwas überzeichnet aber nicht abwegig.Die DVD kommt ohne Extras - es ist ausschließlich der 57-minütige Film enthalten, eine Schande, wenn man berücksichtigt zu welchem Preis sie angeboten wird. Dennoch ist Der Herr Karl ein Stück das man zu Hause haben sollte, zumindest als Österreicher.

Ein Klassiker - Endlich gibt es diesen zeitlosen Klassiker auf DVD. Helmut Qaultinger in der Rolle des Herrn Karl ist unübertroffen. Dieser Monolog (brilliant geschrieben von Carl Merz) eines klassischen Radfahrers - zu deutsch: nach unten treten und nach oben buckeln, gehört zum Besten, das es im österreichischen Kabarett der Nachkriegszeit gegeben hat. Bis heute unerreicht.




Der Herr Karl