
Karl, der Herr ... - Zu seiner Zeit war der Herr Karl schon wer, eine Persoenlichkeit, verraet er uns nach wenigen Filmminuten.Ein Schwindler ist er, ein Grossmaul, ein Mitlaeufer und Denunziant ist er in Wahrheit.Helmut Qualtinger kongenial als der typische Nachkriegsoesterreicher, der von all dem Boesen, das die Nazis gebracht haben, natuerlich nichts geahnt haben konnte. Woher denn!?Ueberhaupt weiss er nur, was ihm Vorteile verschafft, spricht von einer sehr schwierigen, aber auch der besten Zeit, die er jemals erleben durfte.Wie traurig ist es doch, dass hier einer der unsrigen die Wahrheit so verbluemt aussprechen muss, um sie einer groesseren Menschenmenge zugaenglich zu machen, wie wenig hat die Menschheit doch trotz aller Bemuehungen aus dieser schrecklichen Zeitspanne gelernt.Da hilft es auch nichts, wenn einsame Waechter wie Qualtinger uns Inhalte wenigstens parodistisch vermitteln, wer ist denn geneigt, sich mit so einem brisanten Inhalt alltagstauglich auseinander zu setzen?Die wenigsten, vermute ich.Fuenf Sterne, die leider am eiskalten Firmament der ungeliebten Wahrheit kaum beachtet vergluehen muessen.
Film gut, Ausstattung katastrophal - Über den Film selber kann man nichts Negatives sagen. Nur unter digitally remastered verstehe ich etwas anderes. Bei vielen, noch weitaus älteren Filmen (etwa Der zerbrochene Krug oder Nosferatu) wurde das Bild weit besser restauriert. Gut, vielleicht war im Jahr 2002 die Technik noch nicht so ausgereift. Zur Ausstattung: Diese DVD würde noch als Videokassette durchgehen. Man legt sie ein und spielt sie ab. Das war s. Kein Hauptmenü (von animierten Menüs, wie auf der Packung beschrieben, kann keine Rede sein!), keine Hintergrundinfos, keine Trailer, keine Kapitelauswahl (außer während des Films). Darum nur drei Sterne, dies soll aber die die Qualität des Filmes selbst keinesfalls schmälern.
QUASI GENIAL - Auch wenn man der Aufnahmequalität den Zahn der Zeit ansieht: Quasi genial!Qualtinger wurde mit dieser legendären Darstellung eines bösartigen Wiener Opportunisten, der sich hinter einer gemütlichen Fassade versteckt, berühmt. Die Charakteranalyse eines goldenen Wiener Herzens mit Mitteln der Satire und Karikatur, die Qualtinger im authentischen Dialekt vorträgt, war seinerzeit ein Skandal, rührte sie doch an einem Tabu: Österreichs verdrängter Umgang mit seiner Vergangenheit vor und nach dem zweiten Weltkrieg! Ein Klassiker des politischen Kabaretts!
Das Bildnis des gnadenlosen Opportunisten - Eine Fahne im Wind, das beschreibt den von Karl Merz und Helmut Qualtinger entworfenen Herrn Karl am besten. Nur nirgends anecken, immer auf den eigenen Vorteil bedacht - aber keine Einsatzbereitschaft. Was er gratis bekommen kann das nimmt er, dafür raunzt er dann aber darüber, dass er nichts erreicht. So könnte man den Herrn Karl umschreiben. Der Herr Karl ist in Österreich Kult und letztlich auch Pflicht.Die Aufzeichnung des Einpersonenstückes aus dem Jahr 1961 spielt ausschließlich im Keller eines Feinkostladens. Der Herr Karl ist der Helfer und soll im Keller ein wenig Ordnung schaffen und etwas nach oben bringen. In nicht ganz einer Stunde erzählt er im Wiener Dialekt seine Geschichte - eine Geschichte die auf satirische Weise die österreichische Zwischenkriegs-, Kriegs- und Nachkriegsgeschichte umfasst. Das Bild das er dabei von sich selbst zeichnet ist erschütternd - vielleicht etwas überzeichnet aber nicht abwegig.Die DVD kommt ohne Extras - es ist ausschließlich der 57-minütige Film enthalten, eine Schande, wenn man berücksichtigt zu welchem Preis sie angeboten wird. Dennoch ist Der Herr Karl ein Stück das man zu Hause haben sollte, zumindest als Österreicher.
Ein Klassiker - Endlich gibt es diesen zeitlosen Klassiker auf DVD. Helmut Qaultinger in der Rolle des Herrn Karl ist unübertroffen. Dieser Monolog (brilliant geschrieben von Carl Merz) eines klassischen Radfahrers - zu deutsch: nach unten treten und nach oben buckeln, gehört zum Besten, das es im österreichischen Kabarett der Nachkriegszeit gegeben hat. Bis heute unerreicht.