
Brave new world - Was an diesem Film so entsetzlich ist, sind nicht nur die Vorgänge, welche gezeigt werden, sondern vor allem die dahinterstehende Geisteshaltung: auf äußerste Effizienz ausgerichtete Rationalität ohne jegliche Moral, völlige Empathielosigkeit, Gleichgültigkeit, nicht vorhandener Respekt vor dem Leben und eine Ästhetisierung des Todes. Eine Gesellschaft, deren Wohlstand sich auf solch ein Fundament bzw. solch eine Geisteshaltung gründet, welche sich auch in anderen Bereichen bemerkbar macht, steht mit einem Fuß über dem Abgrund und ist im Grunde nicht mehr zu retten. Die Schraube des globalisierten Kapitalismus wird sich so lange mit äußerster Geschwindigkeit weiterdrehen, bis der Planet völlig ausgeplündert worden und dem Menschen auch der letzte Rest von Humanität im Sinne der Profitmaximierung bzw. dem Traum von der völligen Unterwerfung der Natur ausgetrieben worden ist.
Sollte jeder sehen der isst, trinkt, denkt und fühlt - Der Film wirkte auf mich faszinierend und abstoßend zugleich.Faszinierend ist der kommentarlose und damit nahezu wertfreie Gleichmut, mit dem die Bilder gezeigt werden. Es ist wie ich finde Gleichmut und keine Gleichgültigkeit, denn wem das Thema gleichgültig ist, der zeigt solche Bilder nicht oder sieht sie nicht an. Und es gehört Mut dazu, in unserer derzeitigen Gesellschaft einen solchen Film zu drehen. Diese Bilder kommentarlos stehen zu lassen fällt bestimmt auch nicht jedem leicht.Abstoßend im Film ist die automatisierte Lieblosigkeit, die Unaufmerksamkeit und das teilweise fehlende Mitgefühl, welche den lebenden Nahrungsmitteln, ob Pflanzen oder Tiere, zuteil wird.Das ist aber keine Abwertung der Menschen, die in diesem Industriezweig arbeiten, denn auch ich bin als Konsument nicht frei von Sünde. Im Gegenteil.Der Film macht jedenfalls deutlich, wie der Mensch in einer Big Brother-&-Geiz ist geil-Gesellschaft selbst zur Maschine mutiert. Und doch ist da ein Funke Hoffnung...im Film...im Zuschauer...
Schöner Tiere schlachten und Getreide mahlen - Nein wie schrecklich ist diese Welt. Die Tiere werden geboren, gemästet und geschlachtet. Lebensmittel werden in Fabriken verarbeitet, gemischt oder ver-packt.Früher war doch alles viel... viel natürlicher gemacht.Ohne Maschinen. Ohne Arbeitsteilung. Da wurde das Rind noch im rustikalen Schuppen getötet, mit einem Messer und nicht mit einem Bolzenschuss, dafür ohne Betäubung. Die Wurst wurde von Omas Händen ge-dreht, statt auf einer (dafür schon fast als steril zu be-zeichnenden) Maschine.Ob das Rind das besser fand? Ob die Wurst aus dem Schuppen besser schmeckt? Eher fraglich. Sicher ist nur: gesünder waren die Lebensmittel früher nicht, auch wenn die sog. Grünen derartiges ständig als Mantra beschwören.Die Krabben werden in Nordafrika gepult. Das ist öko-nomisch sinnvoll, was mit dem Lohnniveau der Bun-desrepublik zu tun hat. Ökologisch sinnvoll? Nein - so wenig wie der Urlaub dort. Aber auch darüber wird es bald sog. Dokumentarfilme geben.
Ohne Konservierungsstoffe - Es heisst - man ist, was man ist - oder man wird zu dem, was man ist. Unser täglich Brot, ist so schwer zu verdauen, wie die Industrie erzeugte Nahrung, die in diesem Film gezeigt wird. Ich selbst arbeite an einer Produktionsmaschine in der Metallindustrie. Massenfertigung im Sekundentakt. Wie sehr sich die Bilder gleichen, bei mir im Betrieb, mit denen im Film. Hauptsache schnell, sauber, produktiv und billig. Nahrund als massenwahre - egal ob Obst, Gemüse, Getreide oder Tiere. Naiv wer glaubt, dass eine so produzierte Nahrung - gesund ist, da kann man froh sein das sie nicht krank macht. Ohne Konservierungsstoffe - die kann man sich sparen - in dieser Nahrung steckt eh kein leben mehr.
Die andere Seite der Kritik.... - Alle, die vor mir geschrieben haben, haben absolut recht mit ihren Ausführungen, jetzt kommt aber das ABER..... .....was wäre wenn es diese Erzeugungstechniken nicht gäbe? Wahrscheinlich würde ein großteil der Menschen in Europa (der Film, denke ich, ist für Europäer gemacht) dann in der Lage sein, wie unsere Vorfahren zu Beginn der Industrialisierung, sich zu Ostern oder Weihnachten ein Stück Fleisch zu erlauben oder wie noch in der 50er zu Weihnachten eine Orange!! Ob das erstrebenswert ist muss man für sich selbst entscheiden. Bei der momentan Bevölkerungszahl ist es einfach unmöglich ohne die in diesem Film gezeigten Methoden die Menschen zu ernähren. Traurig aber wahr - wer an diesen Umständen was ändern will, muss sich eine Garten anlegen und alles was er essen will selbst anpflanzen oder beim Bauer einkaufen, dies wäre aber extrem teuer.Dieses sollte man bei aller Kritik auch nicht vergesen.